15.08.2026
Erich
Mit der Melchsee-Frutt hatte ich noch eine alte Rechnung offen. Als ich hier vor 38 Jahren zum ersten Mal an einem Karrimor teilnahm, machten wir so ziemlich alles falsch, was man falsch machen kann. Wir waren jung und ungestüm und seriöse Planung und Vorbereitung war etwas für Weicheier. Das Desaster war also vorprogrammiert. Nach einem falsch vom Koordinatenblatt auf die Karte übertragenen Posten, einer untauglichen Renntaktik und zahlreichen Blasen an den Füssen erreichten wir nach knapp 9 Stunden völlig am Boden das Ziel des ersten Tages. Als am nächsten Morgen mit einem Böllerschuss zum Start gerufen wurde, drehten wir uns in unseren Schlafsäcken um und als etwas später der Kopf eines OK-Mitglieds im Zelteingang auftauchte, erklärten wir forfait für den zweiten Tag. Compeed und Powergels kannten wir damals noch nicht.
2026 ist alles anders. Der Karrimor heisst mittlerweile SIMM, ich bin älter und vernünftiger geworden und habe den Sinn von Planung und Vorbereitung erkannt. Beste Voraussetzungen also, um die Schmach von 1988 zu tilgen. So stehen Andi und ich auf der Melchsee-Frutt am Start des 51. SIMM. Wir kommen gut weg und mischen schon bald in der Spitze mit. Den 3. Posten überlaufen wir leicht, der Zeitverlust hält sich aber in Grenzen. Dann kommt die ultimative Routenwahl von Posten 4 zu 5 (siehe Livelox). Zuerst 100m hoch auf einen Wanderweg, dann diesem folgend über das Fruttli und runter Richtung Talalp. Hier müssen wir uns entscheiden, ob wir auf dem Weg bleiben und 150 Höhenmeter extra machen, oder doch lieber einen steilen mit Grünerlen und Gräben durchsetzten Hang queren wollen. Wir entscheiden uns für letzteres. Das ist zwar schneller, kostet aber ziemlich viel Kraft. Zum Posten geht es dann nochmals 250 Höhenmeter steil bergauf. Schlappe 1h 40’ 37’’ nachdem wir Posten 4 verlassen haben, quittieren wir Posten 5 und das ist Bestzeit auf diesem Abschnitt. Zum Posten 6 folgen gleich nochmals gute 300 Höhenmeter auf 1 km Distanz. Wir sind nun 3.5 Stunden unterwegs und stehen bei Posten 6 von 12. Die Energie geht langsam zur Neige, das Trinkwasser auch. Der Rest wird hart und erste Erinnerungen an 1988 kommen auf. Nun geht es wieder runter auf die Melchsee-Frutt. Bei einer Beiz können wir unsere Wasservorräte auffüllen und überlegen kurz, wie es wäre, auf der Terrasse ein grosses, kühles Panaché die ausgetrocknete Kehle runter… Die Idee wird aber sofort verworfen. Alkohol ist schliesslich ein starkes Nervengift. Nach exakt 6 Stunden und 26 Sekunden erreichen wir am Ende unserer Kräfte doch noch das Ziel auf der Tannalp.
Es erstaunt mich jedes Mal aufs Neue, wie gut man sich nach unserem 5-Gang-Instantmenü (sorry, geheim) und ein paar Stunden unruhigem Schlaf regenerieren kann. Ein herrlicher Tag bricht an über der Tannalp und die Strapazen und Blessuren des Vortags sind schon fast vergessen, Compeed sei Dank. Es geht los, zuerst durch ein Karstfeld, dann über eine gut belaufbare Alp und über eine felsige Krete, hinter welcher schon der 1200m – Abstieg ins Melchtal sichtbar wird. Auch auf dieser Etappe gilt es ein interessantes Routenwahlproblem zu lösen, diesmal «nur» 59 Minuten lang. Wir entscheiden uns für die nördliche Route und holen damit 20 Minuten auf das knapp vor uns liegende, führende Team heraus. Diesen Vorsprung retten wir schliesslich über die Ziellinie und gewinnen die zweite Etappe souverän. Über beide Tage resultiert Rang 3. Aber was viel wichtiger ist: das Trauma von 1988 ist endgültig überwunden!
Auch die weiteren Teams mit Oltner Beteiligung waren erfolgreich unterwegs. Marc und Thomas Wyss holten sich den Sieg in der Kategorie «Orienteering Marathon Light Family», die SIMM-Urgesteine Thomas Lüthi und Mathias Mühlemann wurden 2. in der Kategorie «Orienteering Marathon Score Men» und Laura Ramstein wurde mit ihrem Team 2. in der Kategorie «Orienteering Marathon Light Women».
Ranglisten: hier